Die Vorstellungsbilder der Franklin-Methode®
Denk dir dein Brustbein als ein elastisches Kaugummi: Die Franklin-Methode® ist eine Fundgrube für Vorstellungsbilder, die Beweglichkeit und Körperausdruck in Sekundenbruchteilen verbessern. Hinter dem scheinbaren Bilder-Chaos steckt eine Ordnung, die wir dir in diesem Beitrag erklären:
Sensorische Bilder
Ein Bild, das vor unserem inneren Auge sichtbar wird, bezeichnen wir im Allgemeinen als Vorstellungsbild. Was man oft übersieht: Ein Bild kann auch von einem anderen Sinn ausgehen, es muss nicht unbedingt visueller Natur sein. Sondern ein Bild mit durchschlagendem Erfolg setzt sich meist aus verschiedenen Sinneseindrücken zusammen. Beispielsweise dieses Bild: „Meine Schultern schmelzen wie Vanilleeis“ spricht den Geschmackssinn, den Geruchssinn und den visuellen Sinn an. Die meisten Menschen nutzen aber nur einen oder zwei Sinneskanäle.
Mit folgenden Gedankenbildern trainieren wir, alle Sinne einzusetzen:
Wir sehen eine blühende rote Rose, ein mit Orangensaft gefülltes Glas, das eigene Abbild im Spiegel, das eigene Wohnzimmer, eine Wolke, die am blauen Himmel vorüberzieht, Jemanden, der seinen Hut absetzt, einen Fußball, der über die Wiese rollt.
Wir stellen uns vor: Das Gefühl des Schwimmens, des Reitens, des Lachens und des Hungers.
Wir hören wie Zuschauer im Theater applaudieren, wie Jemand unseren Namen ruft, das Pfeifsignal eines Zuges.
Wir riechen ein Parfum, einen Holzkohlegrill, ein frisch gebackenes Brot.
Wir schmecken einen frisch gepressten Orangensaft, einen Schokoladenkuchen, Zahnpasta.
Wir stehen am Bahnhof, wir sehen, wie ein Zug vorbeifährt. Wir sehen alle Details, die Form der Fenster und der Türen und die Farbe des Zuges. Wir hören das Geräusch des Zuges, wir spüren den Wind des vorüber fahrenden Zuges.
Wir sitzen Sie an einem Tisch, vor einer heißen Suppe. Wir stellen uns vor, wie wir den Löffel in die Hand nehmen und beginnen, die Suppe zu essen. Wie riecht die Suppe? Wie schmeckt die Suppe?
Visuelle Bilder
Mit dieser Art von Gedankenbildern sind die meisten Menschen vertraut. Ein Beispiel für ein visuelles Bild ist, mein Kopf ist ein heliumgefüllter Luftballon der nach oben schwebt, wodurch sich der Körper aufrichtet, sich die Halswirbelsäule verlängert und die Nackenmuskeln sich entspannen.
Kinästhetische Bilder
Kinästhetische Bilder beinhalten ein körperliches Fühlen einer Bewegung. Stellen wir uns beispielsweise vor, wie sich unser Körper im Schneidersitz anfühlt, bevor wir ihn tatsächlich ausführen ist das ein kinästhetisches Bild.
Taktile Bilder
Taktile Bilder hängen eng mit den kinästhetischen Bildern zusammen. Beispiel: Wir erinnern uns beim Training alleine beispielsweise, wie ein Lehrer einmal unser Becken richtig ausrichtete, wie er uns berührte.
Propriozeptive Bilder.
Unter Propriozeption versteht man die Wahrnehmung der eigenen Körperstellung. Es gibt Bilder, die sich speziell auf die Propriozeption beziehen. Beispiel: Wir stellen uns aufrecht hin, belasten beide Füße gleichmäßig. Nun gehen wir in den Einbeinstand. Dann wechseln wir die Seiten. Wir machen einen zweiten Durchgang. Wir imaginieren, dass jeweils ein Klon unseres Spielbeins auf dem Boden stehen bleibt.
Es geht auch umgekehrt: Wir stellen uns im aufrechten Stand vor, wir stehen schon auf einem Bein.
Nun heben wir unser richtiges Bein an. Wir lassen das vorgestellte Bein gleichzeitig nach unten fallen. Und nun geht es zurück in die Ausgangsposition: Wir setzen das richtige Bein auf den Boden, heben das imaginäre Bein an.
Wissenswert: Das imaginäre Bewegen eines Körperteils bezeichnet man auch als mentale Stimulation von Bewegung (MSB).
Olfaktorische Bilder
Unser Geruchssinn ist dem visuellen und auditiven Sinn untergeordnet. Dennoch sind olfaktorische Bilder äußerst wirksam: Schließlich versetzen Gerüche und Bilder uns an Orte, die wir einmal besuchten. Sie wirken anziehend oder abstoßend, so, wie kein anderer Sinnesreiz. Wir trainieren im Gedanken in einem Raum, in dem es herrlich nach Parfüm duftet. Wir beobachten, wie dieses Bild unsere Haltung beeinflusst.
Auditive Bilder
Ein Musiker stellt sich den Klang seines Instrumentes vor, bevor er zu spielen beginnt. Dies ist ein auditives Bild. Ein auditives Bild ist auch, wenn wir uns an den Klang der Stimme des Lehrers erinnern, als er uns einmal im Unterricht unterstützend korrigierte.
Gustatorische Bilder
Gustatorische Bilder werden vom Geschmackssinn bestimmt: Der Koch stellt sich eine gute Sauce vor, wie sie schmeckt, noch ehe er die Zutaten zusammen rührt. Oder wir verwenden ein gustatorisches Bild, wenn wir denken: „Meine Muskeln schmelzen wie Vanilleeis.“
Direkte und indirekte Bilder
Unter einem direkten oder anatomischen Bild versteht man die nonverbale Darstellung einer tatsächlich ausgeführten Bewegung.
Ein indirektes Bild oder metaphorische Bild ist, wenn ein äußeres Ereignis oder ein Gegenstand verwendet wird, um sich einen Vorgang oder eine Bewegung zu verdeutlichen.
Denken wir beim Heben eines Armes zur Seite daran, wie sich das Schulterblatt dreht, dann ist das ein direktes Bild. Malen wir uns das Schulterblatt dagegen als ein Rad aus, ist das ein indirektes, metaphorisches Bild.
Innere und äußere Bilder
Manche Gedankenbilder beziehen sich auf das Innere, manche auf das Äußere.
Ein Inneres Bild ist beispielsweise, die zentrale Achse wäre ein Springbrunnen, der mit großer Kraft nach oben schießt. Das herunterfallende Wasser fließt außen am Körper nach unten. Dieses Bild richtet den Körper auf.
Oder wir stellen uns beispielsweise vor, dass der Wind durch uns hindurch bläst und alle Muskeln lockert. Dieses Bild verbessert die Bewegungsqualität.
Bilder, die sich auf die äußere Umgebung beziehen, beeinflussen unsere Haltung und die Körperenergie positiv aber auch negativ: Wir visualisieren, wie wir bei Sonnenaufgang in einer weiten Ebene stehen. Wir sehen und fühlen, wie die Sonne am Horizont auftaucht. Dann sehen wir als Kontrast, wir befänden uns in einem fensterlosen, kleinen Zimmer.
Selbstlernbilder
In der Franklin-Methode gibt es Bilder, die helfen, ein Feedback über die Körperhaltung und über das Körpergleichgewicht zu erhalten. Ein Beispiel:
Wir liegen auf dem Rücken auf einem fliegenden Teppich. Berühren beim Landen auf dem Boden beide Seiten des Teppichs gleichzeitig den Boden? Oder gibt es einen Teil des Teppichs, der zuerst den Boden berührt?
Die Art und Weise, in der der Teppich landet, kann uns auf ein Ungleichgewicht im Körper hinweisen und uns zeigen, ob wir eventuell eine Körperhälfte bevorzugen.
Spontane Bilder
Die Art jedes Menschen ein Bild zu erleben ist individuell. Bewegungspädagogen der Franklin-Methode sind daher sehr geschult darin, zu erkennen, welches Bild bei welchem Menschen wirkt.
Betrachten wir die Bilder, die die Franklin-Methode im Körper-Geist-Gespräch einsetzt als Ausgangspunkt für eigene, weitere Versuche in der Imagination. Manchmal erlebt man, wie ein eigenes inneres Bild für eine Bewegung einfach so aus dem Nichts auftaucht:
Eric beschreibt beispielsweise, dass er einmal beim Spazierengehen die bunten Schwanzfedern eines Vogels beobachtete: Sie öffneten und schlossen sich. Daraus entwickelte er ein Bild für sein Steißbein, wie es sich beim Einatmen öffnet wie ein Vogelschwanz und sich beim Ausatmen wieder schließt.
Fazit
Die Franklin-Methode ist eine Fundgrube für Vorstellungsbilder für die Beweglichkeit, die im Alltag und im Sport eingesetzt werden können. Hinter dem Chaos steckt eine Ordnung: Die Vorstellungsbilder aus der Franklin-Methode lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen. Zum Beispiel gibt es sensorische Bilder, direkte und indirekte Bilder, Innere und Äußere Bilder, Selbstlernbilder und Spontane Bilder. Manchmal können Bilder verschiedenen Kriterien gleichzeitig zugeordnet werden. Dies zeigt lediglich, dass es viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten von mentalen Bildern gibt.
Liebe Grüße
Dein
Team Franklin-Methode®
P.S.: Die Systematik der Bilder in der Franklin-Methode findest du auch in Eric’s Buch ‚Bewegung beginnt im Kopf.‘ VAK-Verlag, Kirchzarten, 2007.
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