Üben mit dem Geist und Üben im Geist    

    Mentales Training stellt einen sanften, effizienten Weg dar, die sportliche Leistungsfähigkeit zu verbessern. Im Geiste lässt sich jede noch so komplexe Gymnastik perfekt ausführen. Als Folge des Kinos im Kopf entstehen dabei neue Kombinationen von Nerven oder sogar neue Nervenbahnen im Gehirn. So kommt man zu einer besseren Koordination.  Die Franklin-Methode geht über das oben genannte klassische mentale Training hinaus. An dieser Stelle wird beschrieben, warum sie so effizient den Körper-Geist-Dialog verbessert. Überdies wird erörtert, welche Kategorien von Gedankenbildern die Franklin-Methode kennt, die eine Steilvorlage zur Imagination mit allen Sinnen bietet.  

    Das Gehirn 

    Das Gehirn teilt sich in die linke und die rechte Hälfte. Beide Hirnhälften haben verschiedene Aufgabengebiete. Die linke Gehirnhälfte ist für unsere analytischen Fähigkeiten verantwortlich. Kreativität und Vorstellungsvermögen sind dagegen Produkte unserer rechten Gehirnhälfte. Je nachdem, welche Gehirnhälfte bei einer Person stärker ist, sind ihre Neigungen angelegt. Die eine Person zeichnet schön, die andere ist dagegen mathematisch begabt.   

    Mühelos lernt, wer beide Gehirnhälften beansprucht. Das Üben mit Gedankenbildern der Franklin-Methode trainiert die linke und die rechte Gehirnhälfte, daher macht man darin rasch Fortschritte. Unter anderem, weil die Imaginationen aus Franklin-Methode beide Hirnhälften anregen, sind es Werkzeuge, mit denen sich die Technik in jeder Sportart schnell und effizient verbessern lässt.  

    Zur Wirksamkeit von mentalem Training  

    Es gibt in der sportwissenschaftlichen Literatur zahllose Beispiele dafür, wie stark ein zielgerichtetes Training mit dem Geist respektive ein Training im Geist den Körper beeinflusst. Bereits 1943 führte der Psychologe R.A. Vandell mit Kollegen eine Studie durch, die zeigte, dass mentales Training beim Korbwurf die Leistung von Basketballern ähnlich steigert, wie reales Training. Dazu teilten die Forscher die Basketballspieler in drei Gruppen. Eine erste übte wie normal den Korbwurf, eine zweite pausierte und eine dritte trainierte nur in der Vorstellung. Die Gruppe, die nicht geübt hatte, stagnierte. Aber die beiden anderen Gruppen waren ähnlich erfolgreich: Allein die Vorstellung des Korbwurfs genügte, die Muskelkoordination so zu beeinflussen, dass die Basketballer sich beim Treffen des Korbes verbesserten. 

    Mentales Training und Franklin-Methode  

    Beim mentalen Training stellt sich der Sportler einen Bewegungsablauf vor. In seinem Geist läuft ein Film von der Bewegung ab, die er ausführen will. Dabei ist er selbst der Hauptdarsteller. Das Beweglichkeitstraining mit der Franklin-Methode geht darüber hinaus. Die Franklin-Methode setzt Bilder auch während der Bewegung ein. Ihre Bilder beziehen sich auf den Körper. Aber: Sie verzichtet darauf, direkt die Tätigkeit eines Menschen zu beschreiben. Franklin-Imaginationen verbessern daher die Körperhaltung und die Beweglichkeit allgemein. Das Gehirn speichert alle Programme der Bewegungen, die wir ausführen. Es speichert auch die Bewegungsqualität und die -effizienz. Sie hängt von der Klarheit der Vorstellung ab, die wir zum Beispiel von einer gymnastischen Übung haben.  

    Eine Bewegung entsteht, indem wir den Wunsch oder die Absicht haben, uns zu bewegen. Das Nervensystem schickt dieses Signal zum Muskel. Dieser leistet den eigentlichen Kraftaufwand, um das Skelett zu bewegen. Ein Bild oder eine Vorstellung startet also die Bewegung. Die Imaginationen aus der Franklin-Methode setzen genau hier, beim Denken, an. So beeinflussen sie direkt die Muskelprogrammierung, leisten einen Beitrag zur besseren Koordination. Man könnte auch sagen, das Signal, das vom Nervensystem in die Muskeln geht, wird durch die Imaginationen wirksam verändert. 

    Systematik der Bilder in der Franklin-Methode   

    Die Vorstellungsbilder, die die Franklin-Methode verwendet, lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen. Diese überschneiden sich manchmal. Dies zeigt, dass es viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten von mentalen Bildern gibt.  

    Sensorische Bilder  

    Ein Bild, das vor unserem inneren Auge sichtbar wird, bezeichnen wir im Allgemeinen als Vorstellungsbild. Was man oft übersieht: Ein Bild kann auch von einem anderen Sinn ausgehen, es muss nicht unbedingt visueller Natur sein. Sondern ein Bild mit durchschlagendem Erfolg setzt sich meist aus verschiedenen Sinneseindrücken zusammen. Etwa dieses Bild: „Meine Schultern schmelzen wie Vanilleeis“ spricht den Geschmackssinn, den Geruchssinn und den visuellen Sinn an. Die meisten Menschen nutzen aber nur einen oder zwei Sinneskanäle. 

    Mit folgenden Gedankenbildern trainieren wir, alle Sinne einzusetzen:  

    Wir sehen eine blühende rote Rose, ein mit Orangensaft gefülltes Glas, das eigene Abbild im Spiegel, das eigene Wohnzimmer, eine Wolke, die am blauen Himmel vorüberzieht, Jemanden, der seinen Hut absetzt, einen Fußball, der über die Wiese rollt.  

    Wir stellen uns vor: Das Gefühl des Schwimmens, des Reitens, des Lachens und des Hungers. Wir hören, wie Zuschauer im Theater applaudieren, wie jemand unseren Namen ruft, das Pfeifsignal eines Zuges. Wir riechen ein Parfum, einen Holzkohlegrill, ein frisch gebackenes Brot. Wir schmecken einen frisch gepressten Orangensaft, einen Schokoladenkuchen, Zahnpasta.  

    Wir stehen am Bahnhof, wir sehen, wie ein Zug vorbeifährt. Wir sehen alle Details, die Form der Fenster und der Türen und die Farbe des Zuges. Wir hören das Geräusch des Zuges, wir spüren den Wind des vorüberfahrenden Zuges. Wir sitzen Sie an einem Tisch, vor einer heißen Suppe. Wir stellen uns vor, wie wir den Löffel in die Hand nehmen und beginnen, die Suppe zu essen. Wie riecht die Suppe? Wie schmeckt die Suppe?  

    Visuelle Bilder 

    Mit dieser Art von Gedankenbildern sind die meisten Menschen vertraut. Ein Beispiel für ein visuelles Bild ist, mein Kopf ist ein heliumgefüllter Luftballon, der nach oben schwebt, wodurch sich der Körper aufrichtet, sich die Halswirbelsäule verlängert und die Nackenmuskeln sich entspannen. 

    Kinästhetische Bilder 

    Kinästhetische Bilder beinhalten ein körperliches Fühlen einer Bewegung. Stellen wir uns beispielsweise vor, wie sich unser Körper im Schneidersitz anfühlt, bevor wir ihn tatsächlich ausführen, ist das ein kinästhetisches Bild.   

    Taktile Bilder 

    Taktile Bilder hängen eng mit den kinästhetischen Bildern zusammen. Beispiel: Wir erinnern uns beim Training allein beispielsweise, wie ein Lehrer einmal unser Becken richtig ausrichtete, wie er uns berührte.  

    Propriozeptive Bilder

    Unter Propriozeption versteht man die Wahrnehmung der eigenen Körperstellung. Es gibt Bilder, die sich speziell auf die Propriozeption beziehen. Beispiel: Wir stellen uns aufrecht hin, belasten beide Füße gleichmäßig. Nun gehen wir in den Einbeinstand. Dann wechseln wir die Seiten. Wir machen einen zweiten Durchgang. Wir imaginieren, dass jeweils ein Klon unseres Spielbeins auf dem Boden stehen bleibt.  

    Es geht auch umgekehrt: Wir stellen uns im aufrechten Stand vor, wir stehen schon auf einem Bein.  

    Jetzt heben wir unser richtiges Bein an. Wir lassen das vorgestellte Bein gleichzeitig nach unten fallen. Und jetzt geht es zurück in die Ausgangsposition: Wir setzen das richtige Bein auf den Boden, heben das imaginäre Bein an.  

    Wissenswert: Das imaginäre Bewegen eines Körperteils bezeichnet man auch als mentale Stimulation von Bewegung (MSB).  

    Olfaktorische Bilder 

    Unser Geruchssinn ist dem visuellen und auditiven Sinn untergeordnet. Dennoch sind olfaktorische Bilder äußerst wirksam: Schließlich versetzen Gerüche und Bilder uns an Orte, die wir einmal besuchten. Sie wirken anziehend oder abstoßend, so wie kein anderer Sinnesreiz. Wir trainieren im Gedanken in einem Raum, in dem es herrlich nach Parfüm duftet. Wir beobachten, wie dieses Bild unsere Haltung beeinflusst. 

    Auditive Bilder  

    Ein Musiker stellt sich den Klang seines Instrumentes vor, bevor er zu spielen beginnt. Dies ist ein auditives Bild. Ein auditives Bild ist auch, wenn wir uns an den Klang der Stimme des Lehrers erinnern, als er uns einmal im Unterricht unterstützend korrigierte.  

    Gustatorische Bilder  

    Gustatorische Bilder werden vom Geschmackssinn bestimmt: Der Koch stellt sich eine gute Soße vor, wie sie schmeckt, noch ehe er die Zutaten zusammen rührt. Oder wir verwenden ein gustatorisches Bild, wenn wir denken: „Meine Muskeln schmelzen wie Vanilleeis.“  

    Direkte und indirekte Bilder 

    Unter einem direkten oder anatomischen Bild versteht man die nonverbale Darstellung einer tatsächlich ausgeführten Bewegung. Ein indirektes Bild oder metaphorische Bild ist, wenn ein äußeres Ereignis oder ein Gegenstand verwendet wird, um sich einen Vorgang oder eine Bewegung zu verdeutlichen. Denken wir beim Heben eines Armes zur Seite daran, wie sich das Schulterblatt dreht, dann ist das ein direktes Bild. Malen wir uns das Schulterblatt dagegen als ein Rad aus, ist das ein indirektes, metaphorisches Bild.  

    Innere und äußere Bilder  

    Manche Gedankenbilder beziehen sich auf das Innere, manche auf das Äußere. Ein Inneres Bild ist beispielsweise, die zentrale Achse wäre ein Springbrunnen, der mit großer Kraft nach oben schießt. Das herunterfallende Wasser fließt außen am Körper nach unten. Dieses Bild richtet den Körper auf. Oder wir stellen uns beispielsweise vor, dass der Wind durch uns hindurch bläst und alle Muskeln lockert. Dieses Bild verbessert die Bewegungsqualität. Bilder, die sich auf die äußere Umgebung beziehen, beeinflussen unsere Haltung und die Körperenergie positiv, aber auch negativ: Wir visualisieren, wie wir bei Sonnenaufgang in einer weiten Ebene stehen. Wir sehen und fühlen, wie die Sonne am Horizont auftaucht. Dann sehen wir als Kontrast, wir befänden uns in einem fensterlosen, kleinen Zimmer. 

    Selbstlernbilder 

    In der Franklin-Methode gibt es Bilder, die helfen, ein Feedback über die Körperhaltung und über das Körpergleichgewicht zu erhalten. Ein Beispiel: Wir liegen auf dem Rücken auf einem fliegenden Teppich. Berühren beim Landen auf dem Boden beide Seiten des Teppichs gleichzeitig den Boden? Oder gibt es einen Teil des Teppichs, der zuerst den Boden berührt? Die Art und Weise, in der der Teppich landet, kann uns auf ein Ungleichgewicht im Körper hinweisen und uns zeigen, ob wir eventuell eine Körperhälfte bevorzugen.  

    Spontane Bilder 

    Die Art jedes Menschen ein Bild zu erleben ist individuell. Bewegungspädagogen der Franklin-Methode sind daher sehr geschult darin, zu erkennen, welches Bild bei welchem Menschen wirkt. Betrachten wir die Bilder, die die Franklin-Methode im Körper-Geist-Gespräch einsetzt als Ausgangspunkt für eigene, weitere Versuche in der Imagination. Manchmal erlebt man, wie ein eigenes inneres Bild für eine Bewegung einfach so aus dem Nichts auftaucht. Eric Franklin beschreibt beispielsweise, dass er einmal beim Spazierengehen die bunten Schwanzfedern eines Vogels beobachtete: Sie öffneten und schlossen sich. Daraus entwickelte er ein Bild für sein Steißbein, wie es sich beim Einatmen öffnet wie ein Vogelschwanz und sich beim Ausatmen wieder schließt.  

    Fazit 

    Üben mit dem Geist — einmal im Sinne von „Die mentalen Fähigkeiten respektive die Fähigkeiten zur Imagination trainieren“ und einmal im Sinne von “Sport, Spiel und Alltag durch Gedankenbilder begleiten“ – beides ermöglicht die Franklin-Methode: Sie kann uns somit ein vielseitig einsetzbares Werkzeug für noch mehr Bewegungsfreude sein.  

    Viele liebe Grüße

    Dein

    Team Franklin-Methode

     

     Sharing ist Caring

     

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