Die Vorbeuge leichter machen: vier Vorstellungsbilder

    Die Vorbeuge ist eine Bewegung, die wir im Alltag ständig ausführen. Wir gehen in die Hocke, um etwas aufzuheben, wir gärtnern oder wir machen im Yoga eine Vorbeuge. Gerade deshalb lohnt es sich, sich mit ihr zu beschäftigen. Viele Menschen empfinden sie als anstrengend oder steif. Doch oft kann schon eine kleine Anpassung helfen, die Vorbeuge leichter zu gestalten.

    Warum sich die Vorbeuge manchmal schwer anfühlt

    Wenn wir uns nach vorn beugen, muss das Zusammenspiel von Becken, Hüfte, Rücken und hinterer Oberschenkelmuskulatur gut funktionieren. Ist die Muskulatur an der Rückseite der Oberschenkel eher gespannt, wird die Bewegung häufig über den Rücken „gezogen“, statt frei aus der Hüfte zu kommen. Dann fühlt sich die Vorbeuge schnell hart oder eingeschränkt an.

    Es ist nicht nötig, über Jahre hinweg zu dehnen, um besser in die Vorbeuge gehen zu können. Oft reicht es bereits, dir die Bewegung deines Körpers in der Vorbeuge anders vorzustellen. Genau hier setzt die Franklin-Methode mit ihren Vorstellungsbildern an. Diese sprechen dein Nervensystem an und können die Bewegung sofort geschmeidiger machen.

    Beuge die Knie leicht.

    Der einfachste Einstieg in eine freiere Vorbeuge: Beuge die Knie leicht, bevor du dich vorbeugst. Das klingt einfach, hat aber einen anatomischen Hintergrund.

    Die hintere Oberschenkelmuskulatur (die sogenannten Hamstrings) verläuft über zwei Gelenke – vom Sitzknochen über die Rückseite des Oberschenkels bis unterhalb des Knies. Wenn du mit gestreckten Knien in die Vorbeuge gehst, wird diese Muskulatur an beiden Enden gleichzeitig auf Spannung gebracht. Das Becken kann dann kaum noch frei nach vorn kippen und die Bewegung wird stattdessen aus dem Lendenbereich erzwungen.

    Wenn du die Knie leicht beugst, werden die unteren Ansatzpunkte der Hamstrings entlastet. Dadurch kann sich das Becken über die Hüftgelenke nach vorn neigen, sodass dir die Vorbeuge leichter fällt.

    Stelle dir vor, dass sich deine Sitzknochen voneinander entfernen.

    Viele Menschen betrachten das Becken als einen starren Kasten. Das ist es aber nicht: Stelle dir vor, dass sich deine Sitzknochen (Sitzbeinhöcker) voneinander wegbewegen, wenn du dich nach vorn beugst, als würden sie nach außen gleiten.

    Bei der Hüftbeugung bewegen sich die Sitzbeinhöcker anatomisch gesehen tatsächlich leicht auseinander, da die beiden Beckenhälften (Ossa coxae) am Iliosakralgelenk minimal gegeneinander beweglich sind. Es handelt sich um eine sehr feine Bewegung, deren Vorstellung jedoch erstaunlich viel bewirken kann. Dieses Bild hilft dabei, die tiefe Beckenboden- und die Hüftmuskulatur loszulassen, anstatt sie anzuspannen.

    Lass die Beckenkämme nach innen sinken.

    Lege dazu deine Hände oben auf die Beckenkämme und drücke beim Einnehmen der Vorbeuge leicht nach innen. Damit verkörperst du eine Bewegung, die tatsächlich im Becken stattfindet. Bei der Hüftbeugung rotieren die oberen Ränder der Darmbeinschaufeln leicht nach innen. In der Fachsprache nennt man das „Inflare”.

    Die Einwärtsbewegung der Beckenkämme ist das Gegenteil der Auswärtsbewegung der Sitzknochen aus Tipp 2:

    Während sich die Beckenkämme oben leicht annähern, entfernen sich die Sitzknochen unten voneinander. Das Becken hat eine nach unten hin offene Form, die an einen umgekehrten Trichter erinnert. Wenn du die Hände dabei sanft als Stütze nutzt, sendest du deinem Nervensystem einen eindeutigen Hinweis, diese natürliche Bewegung zuzulassen.

    Visualisiere deinen Oberkörper als ein weiches, leichtes Tuch

    Visualisiere deinen Oberkörper als ein weiches, leichtes Tuch das behutsam vom Becken in Richtung Boden fließt. Zur gleichen Zeit stell dir vor, dass kleine Luftballons an deinen Sitzknochen befestigt sind, die sie sanft nach oben heben.

    Indem du Schwere (der Oberkörper fällt) und Leichtigkeit (die Sitzknochen steigen) kombinierst, entsteht eine Längsspannung, die deine Vorbeuge erleichtert. Das Bild hilft dir, deinen Oberkörper der Schwerkraft zu überlassen, statt ihn aktiv nach unten zu drücken, was häufig zu Verspannungen im Rücken- und Nackenbereich führt.

    In der Vorbeuge wird dein Wirbelkanal länger.

    Hier noch ein faszinierendes anatomisches Detail: Wenn du in die Vorbeuge gehst, verlängert sich dein Wirbelkanal um 5 bis 9 Zentimeter. Der Wirbelkanal (Canalis vertebralis) ist der knöcherne Schutzraum, der sich durch deine gesamte Wirbelsäule zieht und dein Rückenmark sowie die darin verlaufenden Nervenbahnen schützt.

    Bei der Vorbeuge, also der Flexion der Wirbelsäule, vergrößern sich die Abstände zwischen den hinteren Teilen der Wirbelkörper und der gesamte Kanal dehnt sich aus. Das heißt, dein Rückenmark und die Nervenhüllen (Meningen) müssen sich an diese Längenveränderung anpassen können – und sie sind dafür konstruiert.

    Mit dieser Erkenntnis kannst du Selbstzweifeln bei der Vorbeuge gelassener entgegentreten. Dein Körper bringt für diese Bewegung optimale Voraussetzungen mit.

    So gelingt die Vorbeuge leichter.

    Deine Vorbeuge wird leichter gelingen, wenn du die folgenden Tipps beherzigst:

    • Die Knie leicht beugen, um dem Becken Bewegungsspielraum zu ermöglichen.
    • Beckenboden und Hüfte entspannen, indem du an „Sitzhöcker auseinander“ denkst.
    • An den Inflare der Beckenkämme denken.
    • Den Oberkörper wie ein weiches Tuch betrachten.

    Teste die vier Ideen für die Beweglichkeit nacheinander aus und finde heraus, welches Bild bei dir den größten Effekt erzielt. In der Franklin-Methode geht es nicht darum, alle Bilder gleichzeitig zu verwenden, sondern das Bild auszuwählen, das einem liegt.

    Sharing ist Caring

    Wie hat dir dieser Beitrag rund um die Verbindung Becken und unterer Rücken gefallen? Teile diesen Blog-Beitrag über die Franklin-Methode® auch mit deinen Freunden. Zudem freuen wir uns über deine Likes und Kommentare.

    Du möchtest mehr über uns erfahren? Dann besuche die Franklin-Methode® auf Facebook, entdecke unsere Büchern und Tools  um oder abonniere den kostenlosen Newsletter der Franklin-Methode®.

    Und erhalte Monat für Monat neue Ideen für die Beweglichkeit – sowie aus erster Hand Informationen zu Health-Workshops, Online-Kursen und Ausbildungen der Franklin-Methode®. Noch mehr Bewegungsbilder findest du in diesem Blog-Beitrag: Die Bänder der Wirbelsäule.

    Recent Posts
    Schreib uns

    0
    Bild_Den Beckenboden mit der Stimme trainieren.Das Kreuzbein nickt.