Die Wirbelsäulenbänder spüren und verstehen
Hast du dich schon einmal gefragt, was deine Wirbelsäule zusammenhält? Neben Muskeln und Bandscheiben spielen die Wirbelsäulenbänder eine wichtige Rolle: Sie stabilisieren, führen Bewegung und verhindern, dass die Wirbel gegeneinander verrutschen. Überdies können sie Zugspannung und Belastung aufnehmen. In diesem Blogbeitrag lernst du die wichtigsten kennen: die vorderen und hinteren Längsbänder, die gelben Bänder oder Ligamenta flava sowie die Dornfortsatzbänder.
Welche Wirbelsäulenbänder gibt es?

Die Wirbelsäulenbänder von der Seite gesehen.
Stelle dir deine Wirbelsäule wie einen Turm aus Bausteinen vor. Die Bänder sind wie Seile und Gurte, die diesen Turm sichern und gleichzeitig beweglich halten.
Die vorderen und hinteren Längsbänder
Das vordere Längsband verläuft an der Vorderseite deiner Wirbelkörper – vom ersten Halswirbel bis hinunter zum Kreuzbein. Seine Hauptaufgabe ist es, zu verhindern, dass du dich zu weit nach hinten überstreckst.
Das hintere Längsband zieht an der Rückseite der Wirbelkörper entlang, direkt im Wirbelkanal. Es ist mit den Bandscheiben verbunden und begrenzt vorwiegend die Beugung nach vorn.
Die gelben Bänder
Ligamenta flava (die „gelben Bänder”) verdanken ihren Namen ihrer gelblichen Farbe, die durch den hohen Anteil an elastischen Fasern entsteht. Sie verlaufen zwischen den Wirbelbögen benachbarter Wirbel und schließen den Wirbelkanal nach hinten ab.
Das Besondere: Die gelben Bänder sind äußerst elastisch und helfen dir aktiv dabei, dich aus der Vorbeugung wieder aufzurichten – sie wirken wie eingebaute Federn! Gleichzeitig schützen sie das empfindliche Rückenmark, indem sie den Wirbelkanal stabil umschließen.
Die Dornfortsatzbänder
Die Zwischendornfortsatzbänder verbinden die Dornfortsätze – also die knöchernen Fortsätze, die du als „Wirbelsäulenperlen“ durch die Haut ertasten kannst – benachbarter Wirbel miteinander.
Das Überdornfortsatzband läuft über die Spitzen aller Dornfortsätze und stabilisiert deine Wirbelsäule bei Beugung, Seitneigung und Drehung.
Die Wirbelsäulenbänder arbeiten im Team
- Stabilisieren: Sie halten die Wirbel in Position und verhindern so ein Verrutschen.
- Begrenzen: Sie setzen natürliche Grenzen für Beugung, Streckung, Seitneigung und Rotation.
- Entlasten: Durch ihre stabilisierende Funktion nehmen sie deiner Rückenmuskulatur Arbeit ab.
- Führen – Sie sorgen für kontrollierte, geschmeidige Bewegungen.
Sprungfeder
Stelle dir deine Wirbelsäule als lange Sprungfeder vor, die mit Gummibändern verstärkt ist. Bewege dich langsam in verschiedene Richtungen – nach vorne, hinten und zur Seite. Spüre dabei, wie sich die Gummibänder dehnen und deine Wirbelsäule sanft in die Neutralstellung zurückfedern. So entwickelst du ein Gefühl für die elastische Spannung deiner Bänder und lernst, Bewegungen kontrollierter auszuführen.
Bänder falten
Beuge deine Wirbelsäule langsam nach vorn. Stelle dir vor, wie sich die vorderen Bänder in Falten legen, ähnlich einem Tischtuch, das von beiden Seiten zusammenschiebst. Gleichzeitig straffen sich die hinteren Bänder. Beim Strecken ist es umgekehrt: Die hinteren Bänder legen sich in Falten, während sich die vorderen Bänder dehnen und straffen. Wiederhole das Beugen und Strecken fünfmal und beobachte dabei, was sich in deiner Wirbelsäule verändert. So verstehst du das Zusammenspiel von vorderen und hinteren Bändern – sie arbeiten immer im Wechsel.
Der rollende Teppich
Stelle dir das vordere Längsband als einen Teppich vor, der auf der Vorderseite deiner Wirbelsäule liegt. Wenn du dich aus der Beugung aufrichtest, wird dieser Teppich von unten nach oben ausgerollt – Wirbel für Wirbel. Lass dieses Bild deine Aufrichtung begleiten und spüre, wie sich dabei deine Wirbelsäule verlängert.
Die Wirbelsäule bürsten
Du kannst diese Übung liegend, sitzend oder stehend ausführen. Stelle dir vor, wie eine weiche Bürste die Vorderseite deiner Wirbelsäule hinaufbürstet – von unten nach oben. Gleichzeitig bürstet eine zweite Bürste die Rückseite hinunter – von oben nach unten. Die Bürsten arbeiten in entgegengesetzten Richtungen. Lass sie mehrmals über den gleichen Abschnitt streichen, bevor du zum nächsten weitergehst. Die Bürste vorne hebt die Wirbelkörper leicht an. Die Bürste hinten hilft den Muskeln und Dornfortsätzen, sich nach unten zu lösen. Lass die Bürsten an verschiedenen Stellen interagieren – mal auf gleicher Höhe einander gegenüber, mal an unterschiedlichen Abschnitten. Wie ist das?
Die Kaskaden eines Wasserfalls
Stelle dir vor, ein Wasserfall ergießt sich über die Rückseite deiner Wirbelsäule. Jeder Dornfortsatz ist ein kleiner Vorsprung, über den das Wasser hinabfällt. Sieh vor deinem inneren Auge, wie das kühle, klare Wasser in jede Ritze dringt und jeden Fortsatz umspült: die Dornfortsätze, die Querfortsätze und die kleinen Gelenkfortsätze. Lass das Wasser fließen und spüre, wie sich die gesamte Rückseite deiner Wirbelsäule erfrischt und entspannt. Diese Übung fördert die Wahrnehmung der komplexen Strukturen entlang deiner Wirbelsäule und löst Spannungen im Bereich der Dornfortsatzbänder.
So integrierst du die Übungen in deinen Alltag
Arbeite mit den Vorstellungsbildern für deine Wirbelsäule, wann immer du die Zeit hast. Schon zwei bis drei Minuten täglich reichen aus, um eine der Übungen durchzuführen:
- Morgens: Starte mit dem „rollenden Teppich“, bevor du aufstehst.
- Unterwegs: Lass die Bürsten durch deine Wirbelsäule wandern, wenn du merkst, dass du dich verspannst.
- Abends: Der Wasserfall eignet sich wunderbar vor dem Einschlafen.
Zum Schluss
Die Bänder deiner Wirbelsäule arbeiten still und zuverlässig, ohne dass du sie spürst: Es sind wahre Alltagshelden. Unterstütze sie bei ihrer Arbeit. Mit den Vorstellungsbildern, die wir hier beschrieben haben, kannst du sie verkörpern, ihre Funktion verstehen, Verspannungen im Rücken lösen und deine Beweglichkeit verbessern. Welche der Übungen wird deine Lieblingsübung? Schreibe es uns in die Kommentare zum Post.
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